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Magazin: Blog2

Der Pusztateufel

Aktualisiert: 29. Dez. 2023




Abstammung und Genetik

Die Ungarischen Herdengebrauchsrassen Puli, Mudi und Pumi entstammen ursprünglich recht ähnlichen Hundeschlägen. In der Literatur findet man immer wieder den Hinweis auf Einkreuzung "terrierähnlicher" Hunde, die angeblich zusammen mit Merinoschafen von Deutschland nach Ungarn importiert wurden. Unglaubwürdig daran ist, dass es in Deutschland keine "terrierähnlichen" Hütehunde gibt oder gab. Wahrscheinlicher erscheint eine Einkreuzung des Altdeutschen Hüte- oder Schafpudels. Eine Einkreuzung von Foxterriern, welchen der Pumi seine hohe Raubzeugschärfe verdankt, geschah wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt.


Wesen

Unter vielen professionellen Hundetrainern genießt der Pumi einen eher zweifelhaften Ruf. Er ist als "Kläffer" verschrien, als "unfreundlich" bekannt und als "Schnapper" berüchtigt. All diese Charakterisierungen beruhen auf einem krassen Missverständnis.

Der Pumi kläfft nicht, er kommuniziert. "Kläffen" ist eine Fixierung auf Bellen ohne spezielle Ursache. Ein rassegerecht ausgelasteter Pumi bellt niemals ohne Grund. Allerdings agiert der Pumi präventiv und handelt, bevor ein Problem auftaucht. Nimmt der verständnisvolle Halter seine "Wortmeldung" zur Kenntnis und zeigt eine angemessene Reaktion, dann lässt sich der Pumi nach einmaligem "Wuff" abstellen.

Der Pumi ist nicht unfreundlich, nur Fremden gegenüber überaus misstrauisch. Dafür kann er nichts, darauf wurde er selektiert. Hat man sein Vertrauen einmal gewonnen, braucht man weder "Leckerlis" noch Spiel als Belohnung, zum Training reichen dann Bindung und Meutetrieb.

Der Pumi ist auch kein "von Natur aus" schnappiger Hund. Der Grund für dieses schlechte Image ist in seiner extrem hohen Intelligenz und Reaktivität zu finden. Mit dem normalem Betrieb in einer Welpen- bzw. Junghundegruppe ist ein Pumi KRASS unterfordert. Auf diese Beleidigung seines Intellekts reagiert er manchmal mit einem Frustbiss. Diese Hunderasse will mehr gefordert werden, als jede andere. Dabei ist der Pumi sehr vielseitig. Am glücklichsten ist er mit Beschäftigungen, die sein Gehirn auf Trab halten.


Hüteverhalten

Der Pumi unterscheidet sich in seinem Hüteverhalten von anderen Herdengebrauchshunden eklatant. Er besitzt bei weitem nicht den Sheep Sense, der beispielsweise den Collies angeboren ist. Bei der Hütearbeit bedarf er der ständigen Anleitung durch den Schäfer (siehe obiges Video). Dafür ist er aber enorm vielseitig und in der Lage, von Gänsen über Schafe und Ziegen bis zum Ungarischen Steppenrind mit jeder Art von Nutztier fertig zu werden. Der Pumi war früher dafür bekannt, als einzige Hunderasse auch Schweine (halbwilde Mangalica-Schweine sind wehrhaft!) hüten zu können. Das verdankt er seiner angeborenen Dominanz und seiner deutlichen Körpersprache.


Ausgezeichnete Flugleistungen: Ein Pumi in Aktion. Bild: Schenda Lizenz: CC BY-SA 3.0

Familienhund?

Ein klare Jein. Wenn Sie die Zeit haben, diesen Hund angemessen zu beschäftigen, dann werden Sie keine andere Rasse mehr wollen. Er ist ansonst anspruchslos, entwickelt eine sehr hohe Bindung und wird Sie und ihre Familie mit seinem Leben verteidigen, wenn es sein muss. Er wird seine Gemarkung zuverlässig von Mäusen, Ratten, Mardern und fremden Katzen freihalten. Wenn Ihre Kinder mit Kindern aus anderen Haushalten spielen, ist Vorsicht geboten (das gilt aber in eingeschränktem Maß für alle Hunde)! Leicht kann es da zu fatalen Missverständnissen kommen. Der Pumi haart wenig, ist als Steppenhund jedem Wetter gewachsen und lässt seine Familie auch im Freilauf kaum aus den Augen.

Wenn Sie wenig Zeit haben und kein aktives Leben führen, dann lassen Sie besser die Finger von dieser Rasse!


Gesundheit

Pumis sind prinzipiell sehr robuste und gesunde Hunde. Allerdings neigen unterbeschäftigte oder schlecht gehaltene Pumis zu psychosomatischen Erkrankungen, die sich als Hautprobleme, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien manifestieren können.



Größe: ♀: 38–44 cm♂: 41–47 cm

Gewicht: ♀: 8–13 kg ♂: 10–15 kg

Farben: Grau (meistens), Schwarz, Falb, Weis

Eignung als Familienhund: 8/10, viel Beschäftigung vorausgesetzt

Angeborene Schärfe: 8/10, hohe Raubzeugschärfe (Marder, Dachs, Fuchs)

Jagdtrieb: 7/10, alle Arten von Nagetieren

Hütetrieb: 9/10

Täglicher Zeitaufwand: Sehr hoch

Verträglich mit Artgenossen: Abhängig von der Sozialisierung, häufig sehr dominant.

Lebenserwartung: 12 - 13

Rassetypische Erkrankungen: Keine bekannt

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