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Magazin: Blog2

Jagdhunde

Aktualisiert: 26. Dez. 2023

Auch unter den als Familienhund geführten Rassen sind zahlreiche Jagdhundrassen. Eine gewisse Grundkenntnis darüber, wozu sein Hund selektiert wurde und was genau ein Jagdhund auf welche Weise für den Jäger erledigt, trägt sehr zum Verständnis dieser Hunde bei.

Deutsch Kurzhaar Portrait
DER Jagdhund schlechthin - Deutsch Kurzhaar

"Wer will zu den Jägern zählen,

läßt kein Wild zu Tod sich quälen,

jagt allein nicht durch die Weite,

führt den guten Hund zur Seite!"

(Alexander Schmook, Jäger, Förster, Sachbuchautor)



Welche Kategorien von Jagdhunden gibt es?

Es gibt mehrere Systeme, um Hunde allgemein und Jagdhunde im Besonderen in ein System zu bringen. All diese Systeme sind haben ihre Schwachstellen und Grenzen. Einer gewissen Logik, wenn auch mit Lücken, folgt Angelsächsische System:

Dieses System berücksichtigt die meisten gängigen Jagdhunderassen. Hierzulande weniger gebräuchliche Jagdhunde wie etwa die Nordischen Jagdhunde oder die jagdlich geführten Hunde vom Typ der Asiatischen Spitze und der Hunde vom Urtyp finden darin keine Berücksichtigung.


Kleines Glossar der hundebezogenen Jagdsprache:

Um einen Überblick über die Tätigkeit von Jagdhunden zu erlangen ist es zielführend zu verstehen, was hinter den jadsprachlichen Fachbegriffen steht.


Abtragen

im Kontext der Nachsuche bezieht sich darauf, dass der Schweißhundführer oder Nachsuchenführer Zweifel daran hat, ob der Hund die Fährte weiterhin verfolgt. Wenn der Führer entscheidet, den Hund erneut auf die korrekte Fährte zu setzen, die Nachsuche zu unterbrechen oder aufzugeben, wird der Hund "abgetragen". Kleinere Hunde werden dabei auf den Arm genommen, während größere Hunde an der Brust hochgehoben und einige Meter von der Fährte weggeführt werden.


Anziehen

bezeichnet das Verhalten des Hundes, wenn er durch langsames und vorsichtiges Vorwärtsgehen signalisiert, dass er die Witterung vom Wild aufgenommen hat.


Apell

Unter "Appell" versteht man, wenn ein Jagdhund richtig auf Anweisungen reagiert, die durch Hör- oder Sichtzeichen wie zum Beispiel Sitz, Platz, Down, Halt usw. übermittelt werden.


Apportieren

Flat Coated Retriever
Ein Flat Coated Retriever in Ausübung seiner Tätigkeit

bezeichnet das Bringen von Wild (Kleinwild) und anderen gefundenen Gegenständen (wie Apportierbock, -sack, etc.) durch den Hund zu seinem Halter.


Bauhunde bzw. Erdhunde

Rauhaardackel
DER Bauhund: Rauhaardackel

werden in der Baujagd eingesetzt. Erdhunde haben einen so geringen Brustumfang, dass sie Füchsen, Dachsen und gelegentlich auch Kaninchen in unterirdische Bauten folgen können (Kaninchendackel). Die Baujagd ist für deie Hunde lebensgefährlich und wird deshalb heute nur mehr von wenigen Jägern praktiziert.


Blenden

Unter dem Begriff 'Blenden' versteht man das Vorstehen (siehe dort) des Hundes, ohne dabei eine Witterung vom Wild zu haben.


Blinker

Ein Blinker ist ein Hund, der bewusst dem wahrgenommenen Wild ausweicht, ohne dies anzuzeigen.


Bogenschlagen

bezeichnet das Verhalten eines Jagdhundes, der das Wild im Halbkreis umgeht, um Wind aufzunehmen.


Bögeln

Ein Hund "bögelt", wenn er versucht, eine verlorene Spur oder Fährte durch kreisförmige Bewegungen wieder aufzunehmen.


Brackieren

Der Jagdhund, meistens ein Hund aus der namensgebenden Gruppe der Bracken sucht das Wild mit tiefer Nase um es danach dem Jäger vor das Gewehr zu treiben. Die Brackierjagd erfordert relativ große, zusammenhängende Reviere.


Bringsel

siehe "Totverweisen"


Buschieren

bezeichnet die Suche eines Hundes im Wald im Schussbereich der Flinte seines Führers. Diese Suche erstreckt sich über das Stangenholz, niedrige Kulturen oder kurz bewachsene Schläge und findet "unter der Flinte" statt.


Changieren

bezeichnet das unerwünschte Überwechseln des Hundes von der bearbeiteten Spur oder Fährte auf eine andere, in der Regel wärmere.


Einschliefen

bezeichnet das vom Waidmann beabsichtigte Eindringen eines Erdhundes in den Fuchs- oder Dachsbau.


Einspringen

Ein Vorstehhund "springt ein", wenn er beispielsweise Hasen, Fasane oder Rebhühner aufjagt, ohne zuvor in die Vorstehhaltung zu gehen.


Geläut

Das gebell von Parforcehunden oder auch einzelner Bracken, wenn sie Wild verfolgen. Es klingt höher und unterscheidet sich von normalem F´Gebell deutlich.


Nachsuche,

auch als Schweißarbeit oder Fährtenarbeit bekannt, beschreibt das Verfolgen, Auffinden und Erlegen von verletztem, meist angeschossenem, aber auch angefahrenem Wild durch einen Hundeführer und seinen Hund. Das Hauptziel der Nachsuche ist es, das Wild vor langem Leiden zu bewahren und schwer aufzufindendes Wild schnell zu bergen, um das wertvolle Wildbret vor dem Verderben zu schützen


Nachziehen

Ein Hund zieht auf der Fährte, auf der Spur oder auf dem Geläuf nach, wenn er dem Wild vorsichtig suchend folgt.


Quersuche

bezeichnet das "Hin und Hersuchen" eines Vorstehhundes vor den Schützen im Feld.


Revieren / Abrevieren

Ein Hund "reviert", wenn er im Feld vor den Schützen (und Hundeführern) sucht. "Abrevieren" hingegen bedeutet, dass der Hund das Suchengebiet verlässt oder seinen Suchenbereich reduziert.


Schärfe

Deutscher Jagdterrier
Verfügt über sehr hohe Schärfe jeder Art: Deutscher Jagdterrier, Jungtier

im Kontext der Wildschärfe ist eine genetisch bedingte Eigenschaft von Jagdhunden, die dazu neigen, sich im Kampf gegenüber Wild zu behaupten (Wildschärfe, Raubwild- und Raubzeugschärfe, Mannschärfe).


Schussfestigkeit

ist eine erwünschte Eigenschaft bei Jagdhunden. Ein schussfestes Tier sollte idealerweise gelassen auf laute Geräusche wie Knallen und Schüsse reagieren. Die Schussfestigkeit beruht teilweise auf Selektion und teilweise auf Gewöhnung.


Schweißhund

Hannoverscher Schweißhund
Hannoverscher Schweißhund

Ein Schweißhund (Schweiß = Blut des Wildes, sobald es aus dem Körper austritt) ist ein Jagdhund, der auf die spezialisierte Aufgabe trainiert ist, krankes (verletztes) oder schweißendes (blutendes) Schalenwild im Rahmen der Nachsuche zu suchen, zu finden und zu stellen. (siehe Nachsuche)


Schweißriemen

Der lange Riemen aus gefettetem Leder, an dem der Hund auf natürlicher und künstlicher Schweissfährte arbeitet und geführt wird, ist ein Hilfsmittel mit einer Länge von 7 bis 12 Metern. Ein Schweißriemen wird nicht gewickelt, sondern auf- bzw. abgedockt.


Sekundieren

"Sekundieren" bezeichnet das Verhalten, wenn ein zweiter Hund einen bereits in Vorstehhaltung verharrenden Hund erblickt und ebenfalls in dieser Haltung stehen bleibt. Dabei orientiert sich der Sekundant nicht nur an der Geruchswahrnehmung, sondern reagiert auf ein optisches Signal. Das Sekundieren wird teilweise noch als Prüfungsfach für Pointer und Setter geprüft.


Sichtlaut

bezeichnet einen Jagdhund, der erst bellt, wenn er das Wild sieht. Bei einigen wenigen Rassen eine erwünschte Eigenschaft.


Spurlaut

Die synonymen Begriffe "spurlaut" oder "fährtenlaut" stammen aus der Jägersprache und bezeichnen einen Jagdhund, der während der Verfolgung der Spur oder Fährte des Wildes lautjagend, also bellend (siehe "Geläut") agiert. Spurlaut ist eine bei den meisten Jagdhundrassen erwünschte Eigenschaft.


Spursicherheit

bezeichnet die Fähigkeit eines Jagdhundes, eine einmal aufgenommene Spur oder Fährte sicher zu verfolgen. Ein Hund mit hoher Spursicherheit lässt sich nicht leicht durch Ablenkungen von der verfolgten Spur abbringen. Das zeigt sich insbesondere, wenn andere Wildfährten die zu verfolgende Spur kreuzen oder parallel dazu verlaufen.


Spürtrieb

Der Spürtrieb ist eng mit dem Jagdtrieb verbunden und zeigt sich durch die Bereitschaft, eine Tier- oder Menschenfährte aufzunehmen. Der Hund verspürt den Drang, die Fährte mit tiefer Nase freudig und ausdauernd zu verfolgen. Das bedeutet, dass der Hund im Spürtrieb die Witterung verschiedener Arten von Wild, aber auch eines Menschen, aufnimmt und verfolgt. Der Hund folgt dabei der genauen Fußspur.


Spurwillen

Ein Jagdhund zeigt Spurwillen, wenn er sich bei der Arbeit darum bemüht, die Spur zu halten und zu verfolgen. Diese Eigenschaft ist hauptsächlich genetisch bedingt und spielt eine wesentliche Rolle für die Spursicherheit. Insbesondere bei der Schweißarbeit erweist sich der Spurwillen als äußerst nützlich.


Stöbertrieb

Der Stöbertrieb ist ebenfalls im Jagdtrieb verankert, jedoch zielt er darauf ab, dass der Hund ohne Beachtung der gelaufenen Spur, mit erhobener Nase und unter Einsatz von Augen, Ohren und Nase eine Witterung aufnimmt und verfolgt. Im Gegensatz zum Spürtrieb, bei dem der Hund gezielt einer Fährte folgt, geht es beim Stöbertrieb eher darum, dem Individualgeruch des Menschen oder Tieres zu folgen.


Suche

Bei der Suche soll der Hund seine Entschlossenheit und sein Bestreben, etwas zu finden, demonstrieren. Dabei sollte der Hund mit Fleiß, in einem großzügigen Bereich, in zügigem Tempo, mit Ausdauer und an die Gegebenheiten des Geländes angepasst suchen.


Stöbern

Welsh Springer Spaniel
Ein Stöberspezialist: Welsh Springer Spaniel

bezeichnet das Verhalten eines Hundes, der in Dickungen, Schonungen, Kukuruzfeldern oder im Schilf nach Wild sucht und es dem Jäger zutreibt. Stöberhunde sollten dabei spurlaut und fährtenlaut jagen. Andere Rassen, die für das Stöbern verwendet werden, sollen zumindest sichtlaut jagen.


Totverbellen

beschreibt das Bellen des Hundes, wenn er ein verendetes Stück Schalenwild gefunden hat, um seinen Führer zum Fundort zu rufen.


Totverweisen

bezieht sich darauf, wenn der Hund ein verendetes Stück Schalenwild findet, zu seinem Führer zurückkehrt und diesen dann zum Stück führt. Es gibt zwei Arten von Totverweisern: den Lautverweiser und den Bringselverweiser.

Der laute Verweiser gibt nach dem Auffinden des Stücks sofort Laut, kehrt zum Führer zurück und zeigt durch erneutes Bellen den Fund an. Anschließend führt er den Führer zum Stück.

Der Bringselverweiser nimmt am oder auf dem gefundenen Stück das in die Halsung gehängte "Bringsel" (ein kurzes Lederstück) in den Fang und zeigt dem Führer bei seiner Rückkehr damit, dass er etwas gefunden hat. Danach führt er den Führer zum Stück.


Vorstehen

Irish Red Setter
Ein Irish Red Setter steht vor

bezeichnet das Verhalten eines Vorstehhundes, der durch festes Stehenbleiben (Vorstehen/Vorliegen) vor dem Wild dem Jäger signalisiert, dass sich Wild in der Nähe befindet, sodass der Jäger sich auf Schussnähe heranbegeben kann. Dabei bezeichnet "Vorstehen" das Vehalten aus der Gruppe der Pointer und "Vorliegen" das ursprüngliche Verhalten von Hunden aus der Gruppe der Setter, daher die Bezeichnungen.


Vorsuche

beschreibt die Arbeit des Hundes an der Anschussstelle oder bei der Unterbrechung des Fährtenverlaufs, zum Beispiel beim Umschlagen schwer zugänglicher Geländebedingungen, um den Auswechsel der Fährte wiederzufinden. Dies geschieht am noch nicht ganz abgedockten Schweißriemen. Dabei muss der Führer darauf achten, ob der Hund Pirschzeichen verweist, die Wundfährte "anfällt" und sich auf ihr "festsaugt". Erst dann lässt er den Hund am abgedockten Schweißriemen weiterarbeiten.


Vorliegen

im Kontext der Bauarbeit bezeichnet das Verhalten eines Erdhunds oder Bauhunds, der im Bau vor dem Raubwild steht und dabei Standlaut gibt. Dies sollte nicht mit dem Vorliegen von Hunden wie beispielsweise Settern bei der Feldarbeit verwechselt werden.


Waidlaut

Hunde, die bellen, obwohl sie die Spur verloren haben oder keiner Spur und keinem Wild folgen, werden als "waidlaut" bezeichnet. Dies ist eine bei allen JAgdhundrassen unerwünschte EIgenschaft und führt zum Zuchtausschluss.

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